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554 Wörter · 3 Min.

Atlanta 1993: Schüsse auf zwei Polizisten

Zwei verletzte Polizisten, eine Waffe aus der Asservatenkammer und ein Notwehr-Plädoyer: Warum das Verfahren gegen Tupac 1993 in sich zusammenfiel.

In der Nacht zum 1. November 1993 fielen in Midtown Atlanta Schüsse. Zwei weiße Männer blieben verletzt zurück, beide am Gesäß und im Bauch getroffen, jedoch nicht lebensgefährlich. Als die Polizei anrückte, stellte sich heraus, dass es sich um die Brüder Mark und Scott Whitwell handelte: zwei Polizisten aus Nachbarbezirken, die nicht im Dienst waren. Kurz darauf wurde Tupac in seinem Hotel festgenommen. Die Anklage lautete auf schwere Körperverletzung in zwei Fällen.

Für Tupac war der Vorfall im Herbst 1993 ein Beleg dafür, dass er sich gegen Polizeiwillkür verteidigen musste. Seine Kritiker sahen darin den Beweis, dass er auf Menschen schoss. Die Quellen stützen beides nur zum Teil (ein Überblick über alle juristischen Konflikte findet sich unter Tupacs Rechtsfälle).

Zwei Versionen einer Nacht

Tupac kam in dieser Nacht (manche Quellen nennen als Datum den 31. Oktober) von einem Auftritt an der Clark Atlanta University. Über den Auslöser der Schießerei gibt es zwei Versionen. Die Polizei erklärte damals, Tupacs Wagen hätte die Whitwell-Brüder beinahe erfasst, woraufhin ein Streit eskaliert sei.

Die Gegendarstellung, auf die sich Medien wie BET und XXL berufen, lautet anders: Die Männer hätten einen schwarzen Autofahrer belästigt, Tupac sei eingeschritten, und einer der Brüder habe das Feuer eröffnet. Tupac selbst gab an, aus Notwehr gehandelt zu haben. Er war bereits am nächsten Tag wieder auf freiem Fuß.

Für Tupac war es eine angespannte Zeit im Visier von Polizei und Justiz. Der Schlag gegen Regisseur Allen Hughes und der Vorfall in Michigan lagen erst wenige Monate zurück (siehe Weitere Verfahren). Noch im November 1993 folgte zudem die Anzeige in New York.

Die Anklage fällt in sich zusammen

Als der Fall am 1. Dezember 1993 vor Gericht in Atlanta verhandelt wurde, brach die Version der Kläger rasch ein. Fotos im Archiv der Atlanta Journal-Constitution zeigen Tupac bei dieser Verhandlung. Den Berichten zufolge sagten selbst Zeugen der Anklage aus, dass Mark Whitwell den ersten Schuss abgegeben hatte.

Im Zeugenstand räumte Scott Whitwell ein, dass er und sein Bruder getrunken hatten. Laut Wikipedia gab er zudem zu, eine Waffe aus der Asservatenkammer einer Polizeidienststelle bei sich getragen zu haben. Einer Darstellung zufolge wurde einer der Brüder sogar wegen falscher Angaben gegenüber der Polizei angeklagt, dies ließ sich jedoch nicht durch eine zweite Quelle bestätigen.

Letztlich wurde die Anklage gegen Tupac fallen gelassen, doch das war nur ein Teil der Bilanz dieses Jahres. Nach Angaben von Wikipedia zog die Staatsanwaltschaft alle Anklagen gegen beide Seiten zurück. Eine einzige Quelle nennt als Zeitpunkt den Herbst 1995 und gibt an, der Staatsanwalt Charles Hadaway habe auf Notwehr entschieden. Mangels Bestätigung gilt dies jedoch nur als Hinweis.

Zivilklagen und ein Versäumnisurteil

Die Nacht hatte für die Whitwells ein berufliches Nachspiel. Mark Whitwell schied rund sieben Monate später aus dem Polizeidienst aus. Er strengte eine Zivilklage an, die mit einem außergerichtlichen Vergleich endete. Sein Bruder Scott forderte in einer eigenen Zivilklage zwei Millionen Dollar.

Weil nach Tupacs Tod niemand zur Verhandlung erschien, erging 1998 ein Versäumnisurteil gegen den Nachlass. Eine Quelle nennt hierfür eine Summe von 210.000 Dollar, doch der Betrag ist nicht bestätigt (Nachlass und Tantiemen).

Ein Gericht hat nie formell entschieden, wer an jenem Abend in Atlanta den ersten Schuss abfeuerte. Die Zeugenaussagen deuten auf Mark Whitwell, die Akten wurden ohne Schuldspruch geschlossen. Die restlichen Fälle aus dieser Zeit listet die Seite Weitere Verfahren.