1995397 Wörter · 2 Min.
Sean „Puffy“ Combs über die Nacht in den Quad Studios
Er habe Tupac gestützt, bete für ihn und sei kein „Thug“: Wie Bad-Boy-Chef Sean Combs 1995 in Vibe jede Mitschuld am Überfall in New York zurückwies.
Original: Stellungnahme von Sean Combs, im Archiv „Sean PUFFY Combs on the NY Shooting“ betitelt · Vibe · 1995
In seinem Vibe-Interview hatte Tupac Shakur die Bad-Boy-Spitze indirekt mitbelastet. Sean „Puffy“ Combs nutzte dasselbe Magazin für seine Erwiderung: Er habe Tupac in jener Nacht nicht im Stich gelassen, sondern gestützt, und mit dem Anschlag nichts zu tun.
Gestützt statt im Stich gelassen: Die Nacht im Studio
Combs schilderte die Nacht so: Er habe an dem Tag Biggies Video zu Warning gedreht und sei danach in die Quad Studios gekommen, um bei Biggies Session mit Junior M.A.F.I.A. vorbeizuschauen. Im Empfangsbereich begrüßte er Andre Harrell und Little Shawn. Dann kam Tupac aus dem Aufzug: angeschossen, mit etwas Blut am Kopf, die Hand am Unterleib, leicht hinkend.
Den Vorwurf, man habe Tupac allein gelassen, wies Combs zurück. Alle seien bei ihm gewesen: Harrell habe sofort einen Krankenwagen gefordert, er selbst und ein Freund hätten Tupac gestützt und beruhigt. Tupac habe allerdings „Theater“ gemacht.
Wer als „Thug“ lebt, muss als „Thug“ sterben
Das Interview habe viele Leute in Schwierigkeiten gebracht, weil es offenließ, ob er, Biggie und Harrell beteiligt gewesen seien. Combs betonte, er würde niemandem absichtlich schaden und habe mit Tupac keinen Streit gehabt. Wer als „Thug“ lebe, müsse auch als „Thug“ sterben; er selbst sei keiner.
Trotzdem bete er für Tupac, schreibe ihm einen Brief und wolle ihn persönlich sprechen. Von allen sei er derjenige, dem am leichtesten zu verzeihen sei.
Besuch auf Rikers Island und ein eskalierender Bruch
Nach verbreiteter Darstellung besuchte Combs Tupac noch vor Erscheinen des Interviews auf Rikers Island, um ihm zu versichern, dass Bad Boy nichts mit dem Überfall zu tun habe. Tupac deutete den Besuch als Provokation. Biggies Song Who Shot Ya? verschärfte 1995 den Bruch, auch wenn Biggie stets beteuerte, das Stück sei nicht auf Tupac gemünzt. Im Februar 1997 riefen Combs und Snoop öffentlich zum Waffenstillstand auf; einen Monat später wurde Biggie erschossen.
Keine Beweise, keine Anklage
Eine Beteiligung von Combs am Quad-Überfall wurde nie nachgewiesen. Duane „Keffe D“ Davis behauptete 2019 in seinen Memoiren, Combs habe einen Auftrag für die Tat in Las Vegas erteilt, später nannte Davis das Buch Fiktion. Combs wurde in diesem Zusammenhang nie angeklagt (Stand Oktober 2026).
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