1995383 Wörter · 2 Min.
Andre Harrell über die Nacht in den Quad Studios
Tupac warf Uptown-Chef Andre Harrell vor, ihn nach den Schüssen ignoriert zu haben. 1995 stellte Harrell in Vibe klar, wie er die Hilfe organisierte.
Original: Stellungnahme von Andre Harrell, im Archiv „Andre Harrell on the NY Shooting“ betitelt · Vibe · 1995
Im Interview „Ready to Live“ hatte Tupac gesagt, Andre Harrell, Chef von Uptown Records, habe ihn nach dem Überfall nicht einmal angesehen. Vibe ließ daraufhin mehrere Beteiligte die Nacht des 30. November 1994 aus ihrer Sicht schildern. Harrell hielt dagegen: Er habe Tupac nicht ignoriert, sondern die Hilfe im Studio organisiert.
Drei Sessions im Quad und Panik am Aufzug
Laut Harrell herrschte an jenem Abend in den Quad Studios Hochbetrieb: Drei Sessions fanden gleichzeitig statt, mit Little Shawn, der Gruppe SWV und Biggie. Alle warteten gespannt auf Tupac, der zu spät kam.
Als Tupac aus dem Aufzug trat, lief er auf und ab und rief, man habe ihn hereingelegt. Harrell bemerkte zuerst nicht, dass er angeschossen war, weil er kaum blutete; die Situation sah nach einer Schlägerei aus. Er forderte Tupac auf, sich zu setzen, und erklärte den Studioleuten, wen sie anrufen sollten.
Weil er der Polizei bei Tupac nicht traute, bat er Stretch, mit ins Krankenhaus zu fahren. Harrell selbst blieb bis vier Uhr morgens im Studio, weil die Polizei alle befragte.
Versöhnliche Töne und Aussage gegen Aussage
Am Ende klang Harrell versöhnlich. Er sei froh, dass Tupac im Interview mit seinem Bad-Boy-Image abschließen wolle, und würde ihn gern besuchen, um mit ihm zu reden. Tupac wisse im Stillen, was wahr sei und was nicht.
Harrells Darstellung widerspricht Tupacs Vorwurf, niemand habe sich um ihn gekümmert, sie beschreibt ihn als denjenigen, der die Lage organisierte. Was genau oben im Studio geschah, steht Aussage gegen Aussage. Eine Beteiligung Harrells am Überfall wurde nie belegt. Dexter Isaac, der 2011 behauptete, einer der Täter gewesen zu sein, nannte als Auftraggeber James „Jimmy Henchman“ Rosemond.
Uptown, Motown und kein Frieden vor Tupacs Tod
Harrell war eine Schlüsselfigur der New Yorker Szene: Er hatte Sean Combs bei Uptown gefördert, unter dessen Federführung Biggie dort unterschrieb; 1995 wurde er Chef von Motown. Er starb am 7. Mai 2020.
Eine öffentliche Aussöhnung mit Tupac ist nicht bekannt. Nach seiner Entlassung im Oktober 1995 ging Tupac zu Death Row und verschärfte den Konflikt mit der Ostküste.
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