1995-04408 Wörter · 2 Min.
Ready to Live (Teil 3 von 5): Im Rollstuhl vor Gericht
Fünf Schusswunden, Klinikflucht und der Auftritt im Rollstuhl: Im dritten Teil des Vibe-Interviews von 1995 blickt Tupac auf die Tage nach dem Attentat.
Original: „Ready to Live“ (Teil 3) · Vibe · Kevin Powell · April 1995
Im Studio wies man Tupac auf das Blut an seinem Kopf hin; er hielt es für einen Pistolenschlag. Im dritten Teil der Vibe-Titelgeschichte schildert Kevin Powell die Tage nach den Schüssen: fünf Treffer, Klinikflucht und der Gang vor Gericht im Rollstuhl.
Fünf Treffer und ein grinsender Polizist
Dann kamen Rettungswagen und Polizei. Ausgerechnet der Beamte, der im Missbrauchsprozess gegen ihn ausgesagt hatte, beugte sich grinsend über ihn. Erst im Bellevue-Krankenhaus begriff Tupac, dass er fünfmal getroffen worden war, auch am Kopf. Gedacht, er müsse sterben, habe er nie: Vom ersten Moment an habe er gespürt, dass Gott ihn beschütze.
Albträume und der Vorwurf der Inszenierung
Ausführlich spricht er über die Berichte danach. Witze über seine Verletzungen störten ihn weniger; am meisten verletzte ihn ein Text, der behauptete, er habe den Überfall inszeniert, da habe er geweint.
Tupac litt unter Kopfschmerzen und Albträumen, in denen wieder geschossen wurde. Ein Psychiater sprach von einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Flucht aus Bellevue und im Rollstuhl vor Gericht
Bellevue verließ er schon in der folgenden Nacht, weil er sich wie ein „Forschungsobjekt“ fühlte und um sein Leben fürchtete. Auch in der nächsten Klinik bekam er Anrufe: „Du bist noch nicht tot?“ Die Familie brachte ihn an einen sicheren Ort.
Am Morgen nach den Schüssen ließ er sich im Rollstuhl zum Gericht bringen, damit die abgeschirmte Jury nicht glaube, er drücke sich. Der Richter habe ihn nie angesehen. Beim Hinausfahren drängten ihn die Kameras; Tupac nannte die Fotografen „Geier“ und senkte den Kopf.
Schuldig in zwei Punkten, freigesprochen vom Waffenbesitz
Die Eckdaten sind dokumentiert. Am 1. Dezember 1994 sprach die Jury Tupac in zwei Fällen des sexuellen Missbrauchs ersten Grades schuldig und von den Vorwürfen der Sodomie und des Waffenbesitzes frei. Die New York Times berichtete am 3. Dezember, er habe das Krankenhaus verlassen und sich an einen unbekannten Ort bringen lassen. Am 7. Februar 1995 folgte das Strafmaß: anderthalb bis viereinhalb Jahre.
Tupacs Gefühl, verfolgt zu werden, prägte seine weitere Musik stark. Die Behauptung, er habe den Überfall selbst inszeniert, vertritt heute kaum noch jemand; auch Dexter Isaacs Aussage von 2011, er sei einer der Täter gewesen, spricht dagegen. Bemerkenswert bleibt, wie offen er 1995 über psychische Folgen sprach, damals im Rap ungewöhnlich.