1996-02415 Wörter · 2 Min.
Live from Death Row: Im roten Büro von Suge Knight
Im roten Büro in Tarzana: Kevin Powell besucht Suge Knight für das Vibe-Magazin. Teil 1 der großen Death-Row-Titelgeschichte vom Februar 1996.
Original: „Live From Death Row“ (Teil 1) · Vibe · Kevin Powell · Februar 1996
Im Februar 1996 blickten Dr. Dre, Snoop Doggy Dogg, Tupac und Suge Knight vom Titel des Vibe-Magazins. Das Foto zeigte die vier Männer, montiert wie ein Gruppenbild aus einem Mafiafilm. Es illustrierte Kevin Powells Titelgeschichte „Live From Death Row“. Powell hatte Tupac ein Jahr zuvor auf Rikers Island interviewt. Sein Bericht über Death Row erscheint hier in vier Teilen; dies ist der erste.
Ein Hund namens Blut und ein Logo auf dem Teppich
Powell beginnt seinen Text im Can-Am-Gebäude in Tarzana, dem damaligen Studio des Labels. Im Vorfeld hatten ihn vom Kollegen bis zum Schuhputzer alle gewarnt: Mit Knight lege man sich nicht an. Er beschreibt Sicherheitsleute, die Waffen tragen dürfen, und einen Schäferhund namens Damu („Blut“ auf Suaheli). In Knights Büro ist alles rot. Auf dem Teppich vor dem Schreibtisch prangt das Label-Logo, ein Mann auf dem elektrischen Stuhl. Niemand tritt darauf.
Im Gespräch erklärt Knight seine Philosophie. Er wolle zuerst eine Organisation aufbauen, nicht bloß ein Label. Den Namen Death Row habe die Crew gewählt, weil fast alle Beteiligten Ärger mit dem Gesetz gehabt hätten. Vor allem aber gehe es um Kontrolle: „First goal was to own our masters“sagt er, die Rechte an den Originalbändern seien alles.
Powell ordnet den Erfolg ein: Das Label war damals über 100 Millionen Dollar wert. Er fragt im Text, wo wirtschaftliche Selbsthilfe endet und das Drama beginnt, und listet die gängigen Gerüchte auf: Eisenrohre gegen Eazy-E, Druck auf Andre Harrell und eine Fehde mit Sean „Puffy“ Combs. Die von Powell genannten Gerüchte blieben weitgehend genau das. Knight bestritt stets, Gewalt eingesetzt zu haben.
Auf dem Gipfel vor dem Absturz
Powells Momentaufnahme stimmt: Anfang 1996 stand Death Row auf dem Gipfel. The Chronic und Doggystyle hatten das Label groß gemacht, Tha Dogg Pound war gerade erschienen. Tupac gehörte seit Oktober 1995 dazu, nachdem Knight 1,4 Millionen Dollar Kaution gestellt hatte.
Doch der Absturz kam schnell. Im März 1996 verließ Dr. Dre das Label, im September starb Tupac. Im Februar 1997 wurde Knight zu neun Jahren Haft verurteilt.
Bitter klingt im Rückblick Knights Satz über die Masterbänder. Death Row meldete 2006 Insolvenz an. Der Katalog wurde 2009 versteigert und wechselte danach mehrfach den Besitzer. Knight verbüßt seit 2018 eine 28-jährige Haftstrafe wegen Totschlags.
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