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16.09.1997411 Wörter · 2 Min.

Afeni Shakur verklagt Orlando Anderson

September 1997: Aus Frust über die Polizei in Las Vegas verklagt Afeni Shakur Orlando Anderson wegen widerrechtlicher Tötung.

Original: „Tupac’s Mother Blames Anderson For Death In Lawsuit“ · MTV News · ohne Autorenangabe · 16. September 1997

Eine Woche nachdem Orlando Anderson Tupacs Nachlass wegen der Prügelei im MGM Grand verklagt hatte, schlug Afeni Shakur zurück. Am Freitag, dem 12. September 1997, einen Tag vor Tupacs erstem Todestag, reichte sie in Los Angeles eine Zivilklage wegen widerrechtlicher Tötung („wrongful death“) ein. Die Klage richtete sich gegen den Mann, den die Polizei in Las Vegas zeitweise als Verdächtigen geführt hatte: Orlando Anderson.

Ein Anwalt rechnet mit der Polizei ab

MTV meldete den Schritt am 16. September. Den Grund lieferte Shakurs Anwalt Richard Fischbein gleich mit: Die Polizei in Las Vegas habe an der Aufklärung „so viel Interesse wie der Mann im Mond“. Schlechter als die Beamten könne man es jedenfalls nicht machen.

Die Zivilklage stützte sich auf eine eidesstattliche Erklärung der Polizei von Compton aus dem Herbst 1996, mit der Durchsuchungsbefehle gegen Gangmitglieder beantragt worden waren. Darin wird die Tat als Folge der Fehde zwischen Southside Crips und Mob Piru Bloods beschrieben, in deren Umfeld Leute von Death Row verkehrten. Anderson soll aus einem weißen Cadillac geschossen haben. Der Prügelei im Hotel, so die Erklärung, sei ein Streit um eine gestohlene Goldkette in einem Einkaufszentrum in Lakewood vorausgegangen.

Ein Verdächtiger unter Eid

Anderson bestritt alles. Der Los Angeles Times sagte er wenige Tage später, Tupac sei für ihn „wie ein Held“ gewesen. Er wünsche sich, dass der wahre Täter gefasst werde, damit sein Name reingewaschen sei. Die Polizei in Las Vegas erklärte, es gebe keine direkten Beweise gegen ihn.

Die Familie setzte auf das Zivilrecht, da dort ein geringerer Beweismaßstab reicht als im Strafprozess. Im Februar 1998 befragten Shakurs Anwälte Anderson sechs Stunden lang unter Eid. Nach Angaben Fischbeins widersprach er dabei früheren Aussagen, die er gegenüber der Polizei gemacht hatte.

Strafrechtlich nie belangt

Zu einem Urteil kam es nicht. Anderson starb am 29. Mai 1998 bei einer anderen Schießerei in Compton. Die gegenseitigen Klagen wurden im Sommer 2000 mit einem Vergleich beendet.

Strafrechtlich wurde Anderson nie belangt. Erst 2026 sprach eine Jury in Las Vegas seinen Onkel Duane „Keffe D“ Davis des Mordes schuldig. Davis hatte 2018 in einer Fernsehdoku selbst erzählt, Anderson habe mit ihm im Cadillac gesessen, und 2019 in seinen Memoiren seine Rolle geschildert, später nannte er das Buch Fiktion. Das Urteil ist nicht rechtskräftig (Stand Oktober 2026).

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