10.09.1997394 Wörter · 2 Min.
Orlando Anderson verklagt Tupacs Nachlass und Suge Knight
Für die Ermittler der Mörder, vor Gericht das Opfer: Wie Orlando Anderson ein Jahr nach den Schüssen Tupacs Nachlass und Suge Knight verklagte.
Original: „Tupac, Suge Sued In Assault Case“ · MTV News · ohne Autorenangabe · 10. September 1997
Fast genau ein Jahr nach den Schüssen von Las Vegas meldete MTV eine bizarre Wendung. Orlando Anderson, den die Polizei in Compton für Tupacs Mörder hielt, verklagte Tupac und den inhaftierten Death-Row-Chef Suge Knight.
Schläge vor laufender Kamera
Anderson berief sich auf das Überwachungsvideo aus dem MGM Grand. Die Aufnahmen zeigen, wie er am Abend des 7. September 1996, wenige Stunden vor den tödlichen Schüssen, in der Hotellobby verprügelt wird. Die Höhe des Schadenersatzes sollte ein Gericht festlegen.
Die Meldung schloss mit dem bekannten Satz der Polizei in Las Vegas: Man glaube zu wissen, wer Tupac getötet habe, bekomme aber wohl nie genug Zeugen für eine Anklage.
Ein mutmaßliches Gangmitglied zieht vor Gericht
Die Klage ging am Montag, dem 8. September 1997, beim Superior Court in Los Angeles ein und richtete sich gegen Tupacs Nachlass, Knight und Death Row. Anderson verlangte Ersatz für körperliche Verletzungen und seelische Belastung. Seine Anwältin Renee L. Campbell bestritt jede Verbindung zu den Schüssen: Wenn es hier ein Opfer gebe, dann ihren Mandanten.
Die Los Angeles Times wies darauf hin, wie ungewöhnlich der Schritt war: Ein mutmaßliches Gangmitglied trug einen Bandenstreit vor ein Zivilgericht und rückte sich damit selbst wieder ins Blickfeld.
Gegenklage von Afeni Shakur, neun Jahre Haft für Knight
Die Antwort kam vier Tage später: Afeni Shakur verklagte Anderson wegen widerrechtlicher Tötung. Für Suge Knight war die Lobby-Szene da schon teuer geworden. Im Februar 1997 hatte ihn ein Richter wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen zu neun Jahren Haft verurteilt.
Tod an der Waschanlage, spätes Urteil gegen Keffe D
Anderson selbst wurde nie angeklagt. Er starb am 29. Mai 1998 bei einer Schießerei an einer Waschanlage in Compton, die nichts mit Tupac zu tun hatte. Der Zivilstreit überlebte ihn: Nach seinem Tod verklagte seine Familie den Nachlass auf eine angeblich zugesagte Zahlung von 78.000 Dollar. Im Sommer 2000 einigten sich beide Seiten, ohne Details zu nennen.
Die Frage nach dem Täter ist heute juristisch weiter. Andersons Onkel Duane „Keffe D“ Davis wurde 2023 angeklagt und am 31. August 2026 in Las Vegas des Mordes schuldig gesprochen. Die Anklage sah in ihm den Drahtzieher, der die Waffe nach hinten im Wagen weitergab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig (Stand Oktober 2026).