20.12.1996321 Wörter · 1 Min.
Ein Verdächtiger, aber keine Zeugen
Drei Monate nach den Schüssen hat Las Vegas einen Tatverdächtigen, doch Zeugen schweigen. Bei MTV News entlastet die Polizei zugleich Suge Knight.
Original: „Police Have Suspect, No Witnesses In Tupac Murder Case“ · MTV News · ohne Autorenangabe · 20. Dezember 1996
Gut drei Monate nach den Schüssen schien die Polizei in Las Vegas am Ziel, stand aber vor einer Mauer des Schweigens. Am 20. Dezember 1996 erklärte sie gegenüber MTV News, sie glaube zu wissen, wer Tupac Shakur am 7. September 1996 erschossen hat. Für eine Anklage reichte das jedoch nicht: Fast niemand kooperierte mit den Ermittlern.
Alle befragt, Suge Knight entlastet
Ein Sprecher betonte, man habe alle Beteiligten befragt, auch Suge Knight, der den Wagen fuhr und selbst am Kopf gestreift wurde. Entgegen hartnäckigen Gerüchten sei Knight kein Verdächtiger. Die Ermittlungen seien im Grunde abgeschlossen; nun hoffe man auf Zeugen, die bereit sind auszusagen. Erst dann werde man den Verdächtigen auch nennen.
Der Name sickert durch: Orlando Anderson
Öffentlich nannte die Polizei den Namen 1996 nicht, doch er sickerte kurz darauf durch. Im Februar 1997 berichtete die Los Angeles Times, die Ermittler hätten die Liste auf drei Männer aus Los Angeles eingegrenzt, darunter Orlando Anderson, den Tupac und Death-Row-Leute im MGM Grand verprügelt hatten. Im März 1997 machte MTV ein Dokument der Polizei in Compton öffentlich, das Anderson als Schützen nannte.
Fast drei Jahrzehnte Schweigen, bis Keffe D redet
Das Muster dieser Meldung prägte den Fall fast drei Jahrzehnte: eine Polizei, die zu wissen glaubte, was passiert war, und Zeugen, die schwiegen. Die Wende kam nicht durch einen Zeugen aus Tupacs Umfeld, sondern durch Andersons Onkel Duane „Keffe D“ Davis, der selbst über die Nacht sprach, zuerst 2008 gegenüber Ermittlern, ab 2018 öffentlich. Er wurde im September 2023 festgenommen und am 31. August 2026 in Las Vegas schuldig gesprochen; das Strafmaß soll am 13. Oktober 2026 verkündet werden (nicht rechtskräftig, Stand Oktober 2026).
Auch die Aussage zu Knight hat Bestand: Er wurde in diesem Fall nie angeklagt. Laut Anklage war die Schießerei Rache für die Prügelei im MGM Grand.
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