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07.06.1997336 Wörter · 2 Min.

Kein Staatsgeld für Gangsta-Rap

Ein Vorstoß im texanischen Haushalt von 1997 zielte direkt auf Tupac und Snoop Dogg: Öffentliche Fonds sollten nicht in gewaltverherrlichende Musik investieren.

Original: „Texas acts against gangsta rap“ · Associated Press, abgedruckt in der Las Vegas Sun · ohne Autorenangabe · 7. Juni 1997

Im Juni 1997 steht Texas kurz davor, den Kampf gegen Gangsta-Rap auf die Finanzmärkte zu verlagern. Versteckt in einem rund 900 Seiten starken Haushaltsgesetz findet sich eine Klausel, die texanischen Behörden verbieten soll, Aktien von Firmen zu halten, deren Künstler Gewalt verherrlichen oder Frauen herabwürdigen. Texas wäre damit der erste US-Bundesstaat mit einer solchen Regel.

Millionen aus staatlichen Pensionsfonds

Betroffen von dem Gesetz wäre Seagram, der Mutterkonzern von Universal, der die Rechte an Songs von Snoop Doggy Dogg und Tupac Shakur hält. Es geht um beträchtliche Summen: Der Pensionsfonds der Staatsangestellten hielt Seagram-Aktien für rund 8,4 Millionen Dollar, das Universitätssystem für 3,8 Millionen. Gouverneur George W. Bush kann die Klausel im Gesamtpaket des Haushalts kaum einzeln stoppen, obwohl ihn wütende Radio-DJs bereits darauf angesprochen haben.

Die RIAA wittert Zensur auf Raten

Der republikanische Senator Bill Ratliff verteidigt den Plan. Wenn man die Texte nicht in einer Zeitung drucken könne, warum dürfe man sie Dreizehnjährigen stundenlang in die Köpfe pumpen? Hilary Rosen vom Branchenverband RIAA spricht dagegen von Zensur auf Raten und kündigt eine Klage an. Countrystars wie Willie Nelson würden schließlich auch nicht überprüft. Ein Plattenhändler aus Dallas hält dagegen: „Gangsta rap is the new heavy metal.“

Aktionärsdruck statt direkter Verbote

Der texanische Vorstoß fügt sich in eine Kampagne ein, die C. DeLores Tucker und ihre Mitstreiter seit 1995 führten. Ihre Taktik: Statt Verbote zu fordern, setzten sie Konzerne über Aktionäre und öffentliche Pensionsfonds unter Druck. So hatten sie Time Warner 1995 bereits dazu gebracht, seine Beteiligung an Interscope abzugeben, das Tupacs Musik und die von Death Row vertrieb. Universal, damals noch MCA unter Seagram, übernahm den Anteil 1996 und wurde damit zum nächsten Ziel.

Ein Dreivierteljahr nach Tupacs Tod wurde seine Musik so zum Fall für die Haushaltspolitik eines Bundesstaats. Ob die texanische Regel tatsächlich in Kraft trat und angewendet wurde und was aus der angekündigten Klage wurde, ließ sich nicht belegen.

Personen in diesem Text

Snoop Dogg