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16.09.1997383 Wörter · 2 Min.

Orlando Anderson: „Tupac war mein Held“

Von Afeni Shakur als Schütze verklagt, nennt er Tupac seinen Helden: Wie Orlando Anderson im September 1997 erstmals öffentlich sein Schweigen brach.

Original: „Shakur suspect: I was a fan“ · Associated Press, abgedruckt in der Las Vegas Sun · ohne Autorenangabe · 16. September 1997

Ein Verdächtiger nennt Tupac seinen Helden

Ein Jahr nach den Schüssen brach der Mann sein Schweigen, den die Ermittler seit Monaten als Verdächtigen führten: Orlando Anderson, 23, aus Lakewood bei Los Angeles. Die AP gab dafür ein Interview der Los Angeles Times wieder.

Anderson erklärte, er habe jede Platte von Tupac gekauft und seine Karriere bis zum Ende verfolgt: „To me, Tupac was like a hero. I admired him. I respected his music.“ Mit dem Mord habe er nichts zu tun. Die Polizei sah in ihm ein Mitglied der Southside Crips; er selbst nannte sich einen angehenden Drehbuchautor, der zu Unrecht beschuldigt werde.

Anlass war eine Klage: Am Freitag zuvor hatte Afeni Shakur Anderson wegen widerrechtlicher Tötung („wrongful death“) verklagt und ihm vorgeworfen, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Sie stützte sich auf eine eidesstattliche Erklärung der Polizei in Compton, die Tupacs Tod als Folge einer Fehde zwischen den Southside Crips und Death-Row-Leuten aus dem Umfeld der Mob Piru Bloods beschrieb. Anderson hielt dagegen: „That entire affidavit is fiction.“

Vier Tage vor ihr hatte Anderson selbst geklagt: Er forderte fast eine Million Dollar vom Nachlass, weil Tupac und Death-Row-Leute ihn Stunden vor der Tat im MGM Grand verprügelt hatten. Die Polizei in Las Vegas habe ihm im Oktober 1996 gesagt, er sei kein Verdächtiger mehr.

Keine Anklage zu Lebzeiten, ein Schuldspruch 2026

Anderson wurde nie angeklagt. Am 29. Mai 1998 starb er bei einer Schießerei an einer Autowaschanlage in Compton, die mit dem Fall Tupac nichts zu tun hatte. Die gegenseitigen Klagen legten die Nachlässe von Tupac und Anderson im Sommer 2000 bei.

Heute wirkt Andersons Beteuerung anders. Sein Onkel Duane „Keffe D“ Davis erklärte ab 2018 öffentlich, Anderson habe in jener Nacht mit ihm im weißen Cadillac gesessen, und zwar auf dem Rücksitz, von wo die Schüsse kamen. Am 31. August 2026 wurde Davis in Las Vegas des Mordes schuldig gesprochen (nicht rechtskräftig, Stand Oktober 2026). Die Anklage nannte den Schützen nicht; laut Al Jazeera gab Davis die Waffe an jemanden auf dem Rücksitz weiter. Ob Anderson oder ein anderer Insasse abdrückte, ist gerichtlich nicht festgestellt, und wird es wohl nie sein, denn alle anderen Insassen sind tot.