1996-02546 Wörter · 2 Min.
„Live from Death Row“: Tupac in Vibe (Februar 1996)
Kurz nach der Haft erklärt Tupac Kevin Powell, warum er zu Death Row ging, was er von Biggie hält und warum All Eyez on Me nichts für Kinder ist.
Original: Teil der Titelgeschichte „Live from Death Row“ · Vibe, Ausgabe Februar 1996 · Kevin Powell
Wann und wo
Das Gespräch gehört zur Titelgeschichte „Live from Death Row“, die Vibe im Februar 1996 druckte. Kevin Powell, der Tupac elf Monate zuvor auf Rikers Island interviewt hatte (Ready to Live), sprach diesmal mit dem freien Tupac. Ort und genauer Tag des Gesprächs sind im Archivtext nicht genannt. Es fand in den Wochen statt, in denen Tupac sein erstes Death-Row-Album fertigstellte.
Das Titelbild ist eines der bekanntesten der Zeitschrift: Dr. Dre, Snoop Doggy Dogg, Tupac und Suge Knight, als Collage im Stil des Filmplakats zu GoodFellas zusammengesetzt. Fotografiert hat Ken Nahoum.
Die Lage Anfang 1996
Am 12. Oktober 1995 hatte Death Row eine Kaution von 1,4 Millionen Dollar hinterlegt, und Tupac kam aus dem Gefängnis in Dannemora frei. Er unterschrieb bei Suge Knight und nahm in wenigen Wochen das Doppelalbum All Eyez on Me auf, das am 13. Februar 1996 erschien. Snoop stand zur selben Zeit in Los Angeles wegen Mordes vor Gericht. Zwischen Death Row und Bad Boy in New York wuchs die Feindschaft.
Worüber gesprochen wurde
Schutz habe er bei Death Row nicht gesucht, sagt Tupac. Er sei dort, weil die Leute dort keine Angst hätten. Er erzählt, wie Suge ihn in der Haft besucht, ihm Anwälte besorgt und nach der Entlassung ein Haus für seine Mutter Afeni bezahlt habe. Im Gegenzug wolle er Death Row zum größten Label der Welt machen.
Die Ehe mit Keisha Morris sei annulliert. Er sei zu schnell gewesen und könne nur entweder der Arbeit oder einer Frau treu sein. Gerüchte über eine Vergewaltigung im Gefängnis weist er scharf zurück.
Den größten Teil nimmt der Streit mit New York ein. Einen „Beef“ mit Puffy oder Biggie bestreitet er zunächst, wirft Biggie dann aber vor, seinen Stil kopiert zu haben, und erklärt, er vertrete jetzt die Westküste. Biggie bleibe trotzdem sein „Bruder“, sie seien nur verschiedener Meinung. Statt Gewalt schlägt er einen Wettstreit vor: Bad Boy und Death Row sollen am selben Tag je eine Platte mit ihren Künstlern herausbringen, und wer mehr verkauft, gewinnt. Dazu Pay-per-View-Auftritte für wohltätige Zwecke.
„I don’t want it to be about violence. I want it to be about money.“ Tupac Shakur, Vibe, Februar 1996
Album, Politik, Mutter
All Eyez on Me beschreibt er mit dem Wort „relentless“ und rät Eltern, das Album nicht ohne Gespräch an Kinder zu geben. Er sieht sich als geborenen Anführer, will in die Politik und würde einem Präsidenten Colin Powell folgen. In ihm stritten zwei Seiten: der Sohn einer Black Panther und der „Rider“ von der Straße. Seine Mutter habe ihn die Ideale gelehrt, er ihr das Leben in der echten Welt:
„She put heaven in my heart.“ Tupac Shakur, Vibe, Februar 1996
Bedeutung
Für Vibe-Redakteur Alan Light markiert dieses Heft den absoluten Höhepunkt von Death Row. Danach ging es schnell bergab: Dr. Dre verließ das Label im März 1996, Tupac wurde im September 1996 erschossen, Suge Knight kam 1997 für neun Jahre in Haft. Das Interview zeigt Tupac in dem Moment, in dem er den Konflikt mit Bad Boy öffentlich als Ost-West-Frage beschreibt. Zugleich bietet er einen friedlichen Ausweg an. Von Kevin Powells drei Vibe-Titelgeschichten über Tupac war es die letzte.
Personen in diesem Text
Suge KnightSnoop DoggAfeni Shakur: Panther, Mutter, NachlassverwalterinKeisha Morris