19.04.1996618 Wörter · 3 Min.
KMEL mit Sway: Tupac spricht zur Bay Area (19. April 1996)
Im April 1996 erklärt Tupac bei KMEL seine Liebe zur Bay Area, seinen Weg zu Death Row und seine Sicht auf den Streit mit Bad Boy.
Original: Radiointerview · KMEL, San Francisco, Sendung Westside Radio · Sway Calloway · 19. April 1996 · Transkript von Davey D
Wann und wo
Am Freitag, dem 19. April 1996, war Tupac bei KMEL in San Francisco zu Gast. Interviewer war Sway Calloway, der mit DJ King Tech die Wake Up Show moderierte, daher der Titel. Laut Davey D, der das Gespräch für seine Seite abschrieb, lief es in der Sendung Westside Radio. Für die Hörer in der Bay Area war es ein Ereignis: Tupac hatte seit dem Wechsel zu Death Row noch mit niemandem ausführlich gesprochen, und er war, so Davey D, gefühlt seit Jahren nicht mehr in der Gegend gewesen.
Die Lage im Frühjahr 1996
Seit Oktober 1995 war Tupac gegen Kaution frei, All Eyez on Me beherrschte die Charts. Der Streit zwischen Death Row und Bad Boy war auf dem Höhepunkt. Am 22. März 1996 hatte Dr. Dre das Label verlassen; aus dem Death-Row-Lager hatte sich dazu noch niemand geäußert. Snoop Doggy Dogg war im Februar vom Mordvorwurf freigesprochen worden.
Die Bay Area und das Gefängnis
Sway begann mit der Frage, wann Tupac zurückkomme. Die Antwort war eine Liebeserklärung an die Orte, die ihn geprägt hätten, Ostküste, Bay Area, Los Angeles, Baltimore:
„I felt like whatever I am the Bay Area had something to do with making me.“ Tupac Shakur bei KMEL, 19. April 1996
Seine Fans hätten ihn auf Platz 1 gebracht, als er im Gefängnis saß; das vergesse er nicht. Über die Schüsse von 1994 sagte er, sie hätten ihn gebremst und vorsichtiger gemacht. Sein Leben laufe vor aller Augen ab „wie eine Seifenoper“. Dafür fand er ein Bild, das später zum Titel eines Gedichtbands wurde: Wenn aus Beton eine Rose wachse, zähle man nicht die Kratzer an den Blüten, sondern staune, dass sie überhaupt gewachsen sei.
Death Row, Bad Boy und Dr. Dre
Zu Death Row sei er über Suge Knight gekommen: Für einen Song zum Soundtrack Murder Was the Case habe Suge ihm in einer Zeit großer juristischer Probleme rund 200.000 Dollar gezahlt, das habe er nicht vergessen. Im Gefängnis habe er ans Aufhören gedacht; erst Äußerungen von Biggie und Puffy in Vibe hätten ihn zurück an die Arbeit getrieben.
Den Streit beschrieb er als gebrochenen „Friedensvertrag“ und betonte, er richte sich nicht gegen die Ostküste, sondern gegen Bad Boy. Death Row East sei mit Eric B. und anderen New Yorker Größen in Planung, auch Wu-Tang wolle er gewinnen:
„I’m calling for dialogue.“ Tupac Shakur bei KMEL, 19. April 1996
Mit Puffy und Biggie selbst wolle er aber nicht reden. Härter wurde er bei Dr. Dre: Nach seiner Darstellung hatte Dre nicht für Snoop ausgesagt, obwohl seine Aussage im Prozess hätte helfen können. Belegt ist nur, dass Snoop auch ohne diese Aussage freigesprochen wurde.
Pläne und Fans
Am Ende ging es um Musik und Zukunft: Videos zu „How Do U Want It“ und „2 of Amerikaz Most Wanted“, eine Battle-Platte gegen Bad Boy, die neue Gruppe The Outlawz, Bay-Kollegen wie E-40 und Rappin’ 4-Tay, ein ruhigeres Album als Fortsetzung von Me Against the World und die Musikleitung für den Film Gridlock’d. Den Fans erklärte er, warum er manchmal abweisend wirke: Er sei nach Haft und Schüssen nervös und paranoid. In fünf Jahren sah er sich als A&R bei Death Row, mit eigener Produktionsfirma und einer von Rappern finanzierten Jugend-Sportliga.
Bedeutung
Das Gespräch ist eines der ausführlichsten aus Tupacs letztem Jahr; Davey D erinnerte 2009 unter der Überschrift „the Infamous Westside Radio Interview“ daran. Es zeigt die ganze Spannweite: zärtlich gegenüber der Heimat, unversöhnlich gegenüber Bad Boy, voller Pläne, von denen er die meisten nicht mehr umsetzen konnte.
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Personen in diesem Text
Suge KnightSnoop DoggSean „Puffy“ Combs und Bad Boy RecordsThe Outlawz: Tupacs eigene Crew