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1991569 Wörter · 3 Min.

Davey D trifft den „Rebel of the Underground“ (1991)

Ende 1991, kurz nach dem Polizeiübergriff in Oakland: Tupac spricht mit Davey D über 2Pacalypse Now, Juice und seine Pläne für junge Schwarze.

Original: „1991 2Pac Interview“ · Davey D · aufgenommen um 1991 in Tupacs Wohnung · veröffentlicht auf Davey D’s Hip Hop Corner (daveyd.com)

Wann und wo

Davey D war in den Neunzigern eine der wichtigsten Stimmen des Hip-Hop in der Bay Area, als Radiomacher (unter anderem bei KMEL in San Francisco, daher der Zusatz im Titel) und als Journalist mit eigenem Newsletter. Tupac kannte er nach eigenen Worten schon ein paar Jahre, als er ihn um 1991 in dessen Wohnung besuchte. Auszüge druckte er damals in seinem Newsletter, dann ging das Band verloren. Erst Jahre später fand er es auf der B-Seite einer Kassette mit einem Interview von Shock G wieder, als er die Liner Notes für eine Best-of von Digital Underground schrieb. Das vollständige Transkript stellte er auf seine Seite daveyd.com und sendete das Gespräch in seiner Sendung Hard Knock Radio auf KPFA.

Ein genaues Datum nennt Davey D nicht. Der Inhalt grenzt es ein: Tupac spricht von dem Polizeiübergriff in Oakland am 17. Oktober 1991 als frischem Erlebnis, 2Pacalypse Now (erschienen am 12. November 1991) ist fertig, Juice steht kurz vor dem Kinostart im Januar 1992. Das Gespräch fand also sehr wahrscheinlich Ende 1991 statt.

Wer Tupac damals war

Tupac war 20, Tänzer und Rapper bei Digital Underground und gerade dabei, sich als Solokünstler zu etablieren. Er erzählte von seinen Stationen, geboren in New York, Jugend in Baltimore, dann Marin City und Oakland. Marin City habe ihm beigebracht, direkt zu sein: Armut nenne man dort nicht in Metaphern, sondern beim Namen. Zu Digital Underground sei er über Shock G gekommen; den „Shuttle“ der Gruppe beschrieb er als seinen Weg aus dem Ghetto.

2Pacalypse Now und die Polizei

Das Konzept seines Debüts fasste er in einem Satz zusammen: Es gehe um den jungen schwarzen Mann, zu einer Zeit, als das Thema in der Szene schon wieder aus der Mode komme. Auf die Frage nach den Problemen zählte er Polizeigewalt, Armut, Arbeitslosigkeit, schlechte Schulen, Gewalt untereinander, Teenagerschwangerschaften und Crack auf. Seine Songs zeigten beides: wie es wirklich ablaufe und wie er es sich wünsche.

Ausführlich schilderte er den Vorfall in Oakland. Zwei Polizisten hatten ihn wegen verbotenen Überquerens der Straße angehalten; nach einem Streit um seinen Namen landete er im Würgegriff, gefesselt und mit einer Anzeige wegen Widerstands. Tupac kündigte eine Klage über zehn Millionen Dollar an und wollte vom Geld unter anderem ein „Stop Police Brutality Center“ gründen. Belegt ist, dass der Fall später mit einem Vergleich von rund 43.000 Dollar endete.

Juice und die Underground Railroad

Zu Juice sei er eher zufällig gekommen, als Begleiter von Money B beim Vorsprechen. Seine Figur Roland Bishop beschrieb er als unsicheren, gewalttätigen jungen Mann, der um jeden Preis Respekt wolle. Die Botschaft des Films:

„You never know what’s going on in somebody’s mind.“ Tupac Shakur zu Davey D, um 1991

Zum Schluss sprach er über die Underground Railroad: ein Projekt, benannt nach Harriet Tubmans Fluchthelfer-Netz, das junge Männer aus dem Drogengeschäft in die Musik holen sollte, „zwanzig Leute stark“aus Baltimore, Marin City, Oakland und New York. Dazu gehörte die Kindergruppe Nothing Gold, die er produzierte.

Bedeutung

Das Interview zeigt Tupac vor dem Ruhm: politisch, wach, voller Projekte, schon mit dem Anspruch, für eine ganze Generation zu sprechen. Davey D erinnerte sich später vor allem an die Intensität des Gesprächs. Viele Themen, Polizeigewalt, Verantwortung, Musik als Ausweg, ziehen sich durch alle späteren Interviews.

Weiterlesen: 2Pacalypse Now · Right On! 1992