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„Holler If Ya Hear Me“: Tupac am Broadway
Tupacs Musik am Broadway, aber nicht seine Biografie: Nach nur fünf Wochen kam 2014 das Aus für „Holler If Ya Hear Me“2017 folgte die Rückkehr in Atlanta.
Ein Musical über einen Rapper, der Shakespeare spielte und Ballett tanzte, lag eigentlich nahe. Doch Holler If Ya Hear Me ging 2014 einen anderen Weg: Es erzählt nicht Tupacs Leben, sondern nutzt seine Lieder für eine erfundene Geschichte. Am Broadway hielt sich das Stück nur fünf Wochen. Für die Kulturgeschichte der Tupac-Rezeption bleibt es dennoch ein wichtiges Kapitel.
Ein Jukebox-Musical mit Afeni Shakurs Segen
Das Stück ist ein sogenanntes Jukebox-Musical: Es greift auf bestehende Songs zurück, das Buch dazu schrieb Todd Kreidler. Playbill beschreibt die Handlung als nicht-biografische Geschichte über Freundschaft, Familie, Rache, Veränderung und Hoffnung. Tupacs Mutter Afeni Shakur hatte das Vorhaben gebilligt. Seinen Titel verdankt das Musical Tupacs Single Holler If Ya Hear Me (Single). Die Tupac Amaru Shakur Foundation stellte Anfang März 2012 laut rap.de klar, das Stück erzähle sein Leben nicht nach; die Biografie bilde nur die Grundlage.
Die Regie übernahm Kenny Leon, die Choreografie lag bei Wayne Cilento. Die Hauptfigur heißt John und kommt aus dem Gefängnis; gespielt wird er vom Dichter und Rapper Saul Williams. Weitere Rollen übernahmen unter anderem Christopher Jackson, Saycon Sengbloh, Joshua Boone, Dyllon Burnside, John Earl Jelks, Tonya Pinkins, Ben Thompson und Jahi Kearse.
Rapper gesucht, Theatererfahrung nicht verlangt
Bereits Ende Februar 2012 wurde in New York die Besetzung angekündigt: Rapper zwischen 18 und 35 Jahren sollten vorsprechen, Theatererfahrung war nicht verlangt. Der Plan einer Uraufführung noch 2012 hielt allerdings nicht. Erst im Sommer 2013 folgte ein fünfwöchiger Workshop.
Nach 38 Vorstellungen im Palace Theatre war Schluss
Die Previews im Palace Theatre begannen am 2. Juni 2014, die offizielle Premiere folgte am 19. Juni 2014. Am 20. Juli 2014 lief das Stück zum letzten Mal, nach 17 Previews und 38 Vorstellungen. Produzent Eric L. Gold machte „finanzielle Belastungen des Broadways“ verantwortlich. Gegenüber Variety sprach er von einem „Anfängerfehler“: Man habe unterschätzt, wie viel Kapital für die 8 Millionen Dollar teure Produktion nötig war. Ein Besetzungsalbum wurde aufgenommen, aber nie veröffentlicht.
Großartige Musik, aber eine vorhersehbare Handlung
Die Besprechungen fielen gemischt aus. Marilyn Stasio schrieb in Variety, den Gläubigen sei die vorhersehbare Handlung gleichgültig, die Musik sei großartig. Allerdings seien die Darsteller so stark verstärkt, dass die Texte kaum zu verstehen seien. Vor allem fehle die Geschichte, die man eigentlich hören wolle: Auf der Bühne laufe nicht Tupacs Leben, sondern die allgemeine Erzählung eines Gangsters, der aus dem Gefängnis kommt und von der Gewalt der Straße wieder eingeholt wird. Auch andere Besprecher fanden die Handlung klischeehaft, würdigten aber den Versuch, das Jukebox-Format über Hits der Babyboomer hinaus zu erweitern.
Das Echo berührte ein zentrales Dilemma: Tupacs Texte sind zugleich Poesie und Reportage. Eine erfundene Handlung kann ihnen schnell das Besondere nehmen.
Ein zweiter Versuch im True Colors Theatre
Mit dem Broadway-Aus war die Geschichte jedoch nicht zu Ende. Im September 2017 zeigte das True Colors Theatre in Atlanta die Produktion in überarbeiteter Form, wieder unter der Regie von Kenny Leon. Rolling Stone meldete, die Hauptfigur John bekomme zu Beginn mehr Raum; 19 Darsteller waren dabei, und I Ain’t Mad at Cha rückte in der Liedfolge nach vorn. Saul Williams spielte erneut die Hauptrolle. Weitere Aufführungen sind nicht bekannt (Stand Oktober 2026).
Am Kapital gescheitert, nicht an den Songs
Das Musical war der Versuch, Tupacs Werk auf die große Bühne zu bringen, ohne seine Biografie zu verkitschen. Kommerziell scheiterte das Projekt an Marketing und Kapital, wie die Produzenten selbst sagen, nicht an seinen Songs. Tupacs Verhältnis zum Theater erschließt sich ohnehin nicht am Broadway, sondern in den Jahren in Baltimore (Poesie, Shakespeare und Theater).
Personen in diesem Text
Afeni Shakur: Panther, Mutter, NachlassverwalterinSnoop Dogg