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Library of Congress und Vatikan: „Dear Mama“ und „Changes“
Ein Song im nationalen Tonarchiv der USA, einer auf der MySpace-Seite des Vatikans: Was hinter den Ehrungen für „Dear Mama“ und „Changes“ steckt.
In Fan-Listen tauchen die beiden Titel gern als „Ehrung durch Staat und Kirche“ auf: 2010 zog Dear Mama in das National Recording Registry der Library of Congress ein, 2009 landete Changes auf der Playlist „Alma Mater: Music From the Vatican“. Dass ein Rapper mit Haftstrafe im Lebenslauf in einem Atemzug mit einer US-Bibliothek und dem Vatikan genannt wird, wirkt auf den ersten Blick absurd.
Doch die beiden Fälle sind grundverschieden: Das eine ist eine amtliche Aufnahme in ein staatliches Archiv, das andere eine Musikauswahl auf einer Internetseite. Beide Vorgänge sagen viel über Dear Mama und Changes, und es lohnt, genau hinzusehen, was jeweils tatsächlich geschah.
Dauerhaft für die Nachwelt: Dear Mama im National Recording Registry
Die Library of Congress gab am 23. Juni 2010 die 25 neuen Einträge des National Recording Registry bekannt. Dazu zählte Dear Mama von Tupac, 1995 auf Me Against the World erschienen. Das Register wird von der Bibliothekarin des Kongresses gemeinsam mit dem National Recording Preservation Board geführt. Jedes Jahr kommen 25 Aufnahmen dazu, die mindestens zehn Jahre alt sein müssen und kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutend sind. Sound & Vision zählte nach der Aufnahme 325 Titel im Register.
Im Jahrgang 2010 standen neben Tupac Patti Smiths Horses, das zweite Album von The Band, Willie Nelsons Red Headed Stranger und Loretta Lynns Coal Miner’s Daughter. Laut Rolling Stone war Dear Mama erst die dritte Hip-Hop-Aufnahme im Register, nach „The Message“ von Grandmaster Flash and the Furious Five und Fear of a Black Planet von Public Enemy.
Die Bibliothek begründete die Wahl damit, der Song sei eine bewegende und eloquente Hommage an Tupacs eigene Mutter und an alle Mütter, die versuchen, ihre Familie gegen Sucht, Armut und gesellschaftliche Gleichgültigkeit zusammenzuhalten. Afeni Shakur sagte laut Berichten sinngemäß, es hätte irgendein Song sein können, sie sei aber geehrt, dass es Dear Mama wurde. Die Quellen sprechen teils vom „Register 2009“, weil die Auswahl im Vorjahr getroffen wurde; die Bekanntgabe erfolgte im Juni 2010.
Der Eintrag ist ein Archivrang, kein Preis: Es geht um den Erhalt für die Nachwelt.
4,6 Millionen Klicks im Advent: Changes auf der Playlist des Vatikans
Im Dezember 2009 veröffentlichte der Vatikan auf seiner offiziellen MySpace-Seite eine Playlist namens „Alma Mater: Music From the Vatican“. Dazu gehörte Changes von Tupac, 1998 posthum auf dem Greatest Hits-Album erschienen. ABC News berichtete am 7. Dezember 2009, das Stück sei auf der Seite innerhalb von zwei Tagen mehr als 4,6 Millionen Mal gehört worden. Weitere Titel stammten laut Flavorwire von Muse, Fleet Foxes, Shirley Bassey und Mozart.
Dabei ist Genauigkeit wichtig: Papst Benedikt XVI. stand zwar am Kopf der Liste, stellte sie aber nicht zusammen. Zusammengestellt hat sie Pater Giulio Neroni, künstlerischer Leiter des Kirchenverlags Saint Paul’s Multimedia. Der Vatikan erklärte, die Genres seien sehr verschieden, doch alle Künstler wollten die Herzen guter Menschen erreichen. Eine offizielle Stellungnahme zu Tupac oder eine päpstliche Ehrung gab es nicht; ob der Papst die Titel kannte, ist nicht bekannt. In den Berichten aus dem Dezember 2009 findet sich kein Hinweis auf die Vatikanzeitung L’Osservatore Romano.
Der Autor von ABC deutete Changes als Adventslied gegen Rassismus, Polizeigewalt und Drogensucht. Mehr zu Tupacs Verhältnis zum Glauben: Tupac und Religion.
Gesetzlicher Auftrag gegen Web-Aktion: Zwei ungleiche Würdigungen
Die beiden Ehrungen sind sehr ungleich. Die Library of Congress ist eine Einrichtung der US-Legislative und entscheidet nach festen Regeln, dauerhaft und nachprüfbar. Die Vatikan-Playlist war eine kuratierte Auswahl, die als Pressemeldung begann. Beide haben aber etwas gemeinsam: Es geht um zwei Songs, die von der Mutter und von Veränderung handeln, nicht um das Gangster-Image. Gelistet sind sie neben den weiteren Ehrungen auf der Seite Auszeichnungen.
Stand Oktober 2026 sind keine Änderungen an beiden Einträgen bekannt. Die Aufnahme im Register ist auf Dauer angelegt; die Playlist war eine Aktion vom Dezember 2009.
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