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11.11.1998379 Wörter · 2 Min.

„A Soldier Misunderstood“: Ein Fan-Essay gegen das Medienbild

Zwei Jahre nach Tupacs Tod hielt Brian Castillo dagegen: Tupac war kein Gangster, sondern ein Soldat. Ein Fan-Essay von 1998 und wie viel Wahrheit darin steckt.

Original: „Tupac Shakur: A Soldier Misunderstood“ · Medium unbekannt · Brian Castillo · 11. November 1998

„I got crucified to the media.“ Mit diesem Zitat von Tupac eröffnete Brian Castillo am 11. November 1998 seinen Essay. Zwei Jahre nach Tupacs Tod verfasste er keinen Pressebericht, sondern den parteiischen Meinungstext eines Fans. Wer Tupac nicht kenne, halte ihn für einen wütenden jungen Schwarzen, der Gewalt predige, so seine These. Schuld daran trage vor allem die Berichterstattung: Sie ziele wie ein Mikroskop auf die wenigen Schmutzflecken einer ansonsten glänzenden Oberfläche.

Ein Soldat statt eines Gangsters

Castillo fragte, warum Tupac so ins Visier geraten war, und vermutete: weil er etwas Unbequemes zu sagen hatte. Er beschrieb ihn als „Soldaten“der jungen Schwarzen in Musik, Gedichten und Interviews Mut gemacht und Ungerechtigkeit benannt habe. Am Ende hieß es, Tupac lebe in jedem Song, jeder Zeitschrift und jedem Gespräch über ihn weiter, und in einem großen Nachlass unveröffentlichter Werke. Wo der Essay damals erschien, blieb unklar: Herkunft und Erstveröffentlichung ließen sich nicht ermitteln.

Reale Verurteilungen und einseitige Nachrufe

Der Text ist parteiisch und will das auch sein. Das Bild einer fast makellosen Oberfläche mit „ein, zwei Flecken“ blendet aus, dass Tupac 1994 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde und mehrfach wegen Gewalt vor Gericht stand. Die Medienkritik hat aber einen wahren Kern. Viele Nachrufe von 1996 sahen in ihm vor allem den Gangster; die New York Times überschrieb ihren mit „Rap-Künstler, der Gewalt verkörperte“.

Vom Gangster-Bild in die Hall of Fame

Seitdem hat sich das Bild deutlich verschoben, in Castillos Richtung. 2010 nahm die Library of Congress Dear Mama in das National Recording Registry auf, als einen der ersten Rap-Songs. 2017 wurde Tupac in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 2023 bekam er einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Seine Gedichte und Texte sind längst Gegenstand von Universitätskursen, und seit 1997 erschienen zahlreiche Nachlass-Alben.

Die These vom missverstandenen Künstler ist heute weit verbreitet, die Debatte über die dunklen Seiten seines Lebens bleibt trotzdem berechtigt. Castillos Schlusssatz verweist auf eine Seite, die im Gangster-Bild oft untergeht: Tupac habe Gott nur in sehr wenigen Songs nicht erwähnt. Stücke wie So Many Tears oder Hail Mary belegen genau diese religiösen Bezüge.

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