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Sierra Leone: Regierung macht Tupac für Rebellengewalt mitverantwortlich
Rebellen der RUF im Tupac-Shirt überfallen ein Dorf: Wie Sierra Leones Regierung Ende der 1990er Tupac für die Gewalt verantwortlich machte.
Original: „Sierra Leone Government Blames Rap Artist Shakur for Violence“ · Medium unbekannt · John Munoru · vermutlich 1998/99
Mehr als 100 Kämpfer überfallen Kukuna an der Grenze zu Guinea, brennen Häuser nieder und tragen Tupac auf der Brust. Der Bericht von John Munoru ist kein Text aus der US-Musikpresse, sondern eine Meldung aus Westafrika: Die Regierung von Sierra Leone sah die Rebellen der Revolutionary United Front (RUF) von Tupacs Songs inspiriert.
Wer das Shirt trug, galt als Rebell
Ein Bauer schilderte Schüsse und brennende Häuser, viele der Angreifer trugen T-Shirts mit Tupacs Konterfei. Ein Analyst aus Freetown meinte, die Rebellen wollten mit den Shirts Gewalt als ihr eigentliches Ziel demonstrieren. Im Ort begann danach eine Kampagne gegen die Motive: Wer eines trug, galt als Rebell. Ein Offizier sah das nüchterner: Uniformen seien für die Rebellen schlicht zu teuer.
Ab der Mitte wird die Meldung zum Kommentar. Munoru wirft der Regierung vor, selbst durch Gewalt an die Macht gekommen zu sein. Sie benutze Tupacs Bild, um ihren amerikanischen Unterstützern zu gefallen. Am Ende wendet er sich gegen US-Medien, die nach Tupacs Tod den Rap pauschal für Gewalt verantwortlich gemacht hätten.
Ein Nerv im zerfallenden Staat
Den Hintergrund bildet der Bürgerkrieg in Sierra Leone von 1991 bis 2002. Die RUF wurde international für extreme Grausamkeit gegen Zivilisten bekannt, darunter das Abhacken von Gliedmaßen und der Einsatz von Kindersoldaten. Im März 1998 setzten westafrikanische Truppen unter nigerianischer Führung Präsident Ahmad Tejan Kabbah wieder ein. Auf diesen Vorgang spielt Munorus Kritik an; der Text dürfte also aus der Zeit danach stammen. Medium und genaues Datum ließen sich nicht klären, ebenso wenig die Zitate.
Wie verbreitet Tupac-Symbole unter den Kämpfern tatsächlich waren, lässt sich aus diesem einzelnen Bericht nicht ableiten. Plausibel ist der Befund trotzdem: Tupacs Musik über Ausgrenzung, Gewalt und Gegenwehr traf bei jungen Männern in einem zerfallenden Staat einen Nerv. Ob die Lieder etwas „inspiriert“ oder nur Symbole geliefert haben, lässt sich aus der Ferne nicht entscheiden. Das T-Shirt-Argument des Offiziers spricht eher für Letzteres.
Herbst 1998: Parallele Berichte und offene Fragen
Über denselben Überfall auf Kukuna berichtete Lansana Fofana am 1. Oktober 1998 für den Inter Press Service. Das stützt die Datierung auf den Herbst 1998, ersetzt aber nicht die Herkunft des Munoru-Textes, die weiter ungeklärt ist.
Ein Fehler im Original: Tupac wurde am 7. September 1996 angeschossen, gestorben ist er am 13. September. Auch die zitierten US-Kommentare aus New York Post und Wall Street Journal ließen sich nicht überprüfen. Munorus Bericht lässt viele Fragen offen. Er zeigt aber das Spannungsfeld: Für die Regierung taugte Tupac als politisches Feindbild, für die Rebellen als billiger Ersatz für eine Uniform.