31.01.1997431 Wörter · 2 Min.
Tim Roth über Tupac: „Gridlock'd“ als Sprungbrett
Keine Videos, kein Hype: Warum Tim Roth vor dem Dreh nichts über Tupac wissen sollte, und wie „Gridlock'd“ zu seinem Sprungbrett werden sollte.
Original: „Tupac’s Co-star Sings His Praises“ · MTV News · ohne Autorenangabe · 31. Januar 1997
Vor Drehbeginn wusste Tim Roth nach eigenen Angaben nichts über Tupac Shakur, und genau so hatte Tupac es gewollt. Er riet seinem Schauspielpartner ausdrücklich, weder Filme noch Videos von ihm anzusehen: „That’s all hype. That’s all performance.“ (Das sei alles Hype, alles Inszenierung.) Er wolle ihn einfach treffen und über die Figuren reden. Als Gridlock’d Ende Januar 1997 in die Kinos kam, war Tupac seit viereinhalb Monaten tot. In den Interviews zum Filmstart sprach Roth vor allem über seinen verstorbenen Kollegen.
Eine Rolle gegen alle Erwartungen
MTV News fasste zusammen, was Roth laut der Agentur Reuters berichtete: Tupac sei sehr darauf aus gewesen, diesen Film zu machen. Er habe gesehen, dass die Rolle anders war als das, was man von ihm erwartete. Gridlock’d ist eine schwarze Komödie über zwei Heroinabhängige, die clean werden wollen und dabei im Räderwerk der Entzugsbürokratie hängen bleiben.
Roth, bekannt aus Pulp Fiction und Reservoir Dogs, meinte, der Film hätte für Tupac ein gutes Sprungbrett sein können, womöglich hätte er etwas verändert. „I’d like to think that it would have, but that’s hindsight“schränkte er ein (das würde er gern glauben, aber das sei Rückschau).
Lob der Kritik, aber kleiner Kinoumsatz
Roths Einschätzung deckte sich mit den Stimmen der Kritik. MTV berichtete am selben Tag, Tupac ernte für Gridlock’d gute Kritiken, manche hielten das Schauspiel sogar für sein größtes Talent. Der Film war unter der Regie von Vondie Curtis-Hall entstanden, der auch das Drehbuch schrieb.
Kommerziell blieb Gridlock’d klein. Laut Box Office Mojo spielte der Film am ersten Wochenende knapp 2,7 Millionen Dollar ein und kam in den USA insgesamt auf rund 5,6 Millionen. Der Soundtrack war erfolgreicher als der Film: Er stieg kurz darauf auf Platz 1 der Billboard-Albumcharts ein.
Zum Starttermin gibt es kleine Abweichungen in den Quellen. MTV schrieb am Freitag, dem 31. Januar 1997, der Film sei am Mittwoch angelaufen; Box Office Mojo führt den 31. Januar als ersten Tag.
Figur statt Kunstfigur: Die Trennung am Set
Der bemerkenswerteste Punkt der Meldung bleibt Tupacs Bitte an Roth vor Drehbeginn. Sie zeigt, wie bewusst er zwischen seinem öffentlichen Bild und seiner Arbeit als Schauspieler trennte: Die Musik und die Videos nannte er selbst Performance, beim Film wollte er an Figuren arbeiten, nicht an seinem Image. Ob Gridlock’d tatsächlich zum Sprungbrett geworden wäre, bleibt offen, genau das räumte Roth mit seinem Verweis auf die Rückschau selbst ein.