21.03.1997336 Wörter · 2 Min.
Orlando Anderson bei CNN: „Ich war es nicht“
März 1997: Orlando Anderson, der von Informanten als Tupacs Mörder genannt wird, tritt bei CNN auf und beteuert seine Unschuld. Er fühle sich als Sündenbock.
Original: „Orlando Anderson Speaks About Tupac Murder“ · MTV News · ohne Autorenangabe · 21. März 1997
Am Donnerstag, 20. März 1997, sitzt ein 22-Jähriger bei CNN im Studio und wehrt sich. Drei Tage zuvor hatte MTV aus einer eidesstattlichen Erklärung der Polizei in Compton zitiert: Gang-Informanten nannten Orlando Anderson als den Mann, der Tupac erschossen habe. Nun tritt Anderson an die Öffentlichkeit. Seine Botschaft an diesem Tag: „I didn’t do it.“ Er habe das Gefühl, ein Sündenbock zu sein.
Leben wie ein Gefangener
Neben Anderson sitzt sein Anwalt Edi M. O. Faal. Sein Mandant lebe inzwischen fast wie ein Gefangener, erklärt Faal. Er müsse genau überlegen, wann und wohin er gehe. Anderson selbst bestreitet im Interview, ein Crip zu sein, die Polizei in Compton sieht das anders.
MTV merkt kritisch an, was CNN nicht gefragt hat: nach Vorwürfen, Anderson sei im April 1996 an einem anderen Mord und im Oktober 1996 an einer Schießerei beteiligt gewesen. Angeklagt wurde er in keinem der Fälle.
Der bekannteste Name im Fall
Anderson war zu diesem Zeitpunkt der bekannteste Name im Fall. Stunden vor den Schüssen hatten Tupac und Death-Row-Leute ihn im MGM Grand verprügelt. Die Informanten der Compton-Polizei nannten ihn den Schützen (siehe MTV-Sonderbericht zum Mord). Im September 1997 wiederholte er seine Unschuldsbeteuerung in der Los Angeles Times und nannte Tupac sein Vorbild. Am 29. Mai 1998 starb er in Compton bei einer Schießerei, die mit Tupac nichts zu tun hatte.
Spätes Urteil gegen den Onkel
Angeklagt wurde Anderson nie. Fast drei Jahrzehnte später, am 31. August 2026, sprach eine Jury in Las Vegas seinen Onkel Duane „Keffe D“ Davis des Mordes schuldig (nicht rechtskräftig, Stand Oktober 2026). Davis hatte ausgesagt, Anderson habe mit im Cadillac gesessen. Die Anklage legte sich jedoch nicht fest, wer geschossen hat; sie argumentierte, Davis habe die Waffe an jemanden auf dem Rücksitz gegeben. Ob Andersons „I didn’t do it“ stimmte, bleibt damit offen.
Hinweis: Der erste Satz im Archivtext war durcheinandergeraten. Die MTV-Wochenschau nannte als Interviewtag Mittwoch, die Meldung selbst Donnerstag.
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