28.03.1997309 Wörter · 1 Min.
Phantombild im Mordfall Notorious B.I.G.
Dunkle Fliege, Oxford-Hemd, Schnurrbart: Knapp drei Wochen nach dem Mord an Biggie veröffentlicht die Polizei in Los Angeles das Phantombild des Schützen.
Original: „Rapper killer suspect sketched“ · Associated Press, abgedruckt in der Las Vegas Sun · ohne Autorenangabe · 28. März 1997
Fliege, Oxford-Hemd und ein Videoband aus Houston
Herzförmiges Gesicht, dünner, gestutzter Schnurrbart und zurückweichender Haaransatz, dazu Oxford-Hemd und dunkle Fliege: Knapp drei Wochen nach dem Mord an The Notorious B.I.G. veröffentlichte die Polizei in Los Angeles ein Phantombild. Zwei der sechs Menschen, die mit Christopher Wallace im GMC Suburban saßen, hatten es mitgezeichnet.
Lieutenant Ross Moen erklärte, es gebe nur einen Schützen im Tatfahrzeug, möglicherweise aber weitere Beteiligte. Zudem lag den Ermittlern ein Videoband von Rap-Fans aus Houston vor, die vor dem Museum gefilmt hatten; es werde „instrumental in solving this case“ sein. Der Hinweis darauf kam laut Los Angeles Times von einem Anrufer nach der America’s Most Wanted-Folge über Biggie. Was darauf zu sehen war, verriet Moen nicht. Nicht alle Zeugen aus dem Suburban kooperierten.
Die Meldung blieb kurz und sachlich, die Polizei wirkte zuversichtlich. Zum Datum: Die Zeichnung wurde am Donnerstag, 27. März 1997, vorgestellt; Zeitungen berichteten am 28. März.
Konkurrierende Theorien, keine Anklage
Die Zuversicht war verfrüht. Der Mord an Biggie ist offiziell nicht aufgeklärt (Stand Oktober 2026), angeklagt wurde niemand. Auch über das Phantombild und das Video aus Houston wurde später wenig bekannt.
Stattdessen entstanden über die Jahre konkurrierende Theorien. Der frühere LAPD-Detective Russell Poole vermutete Verbindungen zu korrupten Polizisten im Umfeld von Death Row. Andere Ermittler und Journalisten verfolgten eine Spur zu Gang-Mitgliedern aus Suge Knights Umfeld. Keine dieser Thesen wurde vor Gericht geprüft, und mehrere Zivilklagen der Familie Wallace gegen die Stadt Los Angeles scheiterten oder wurden zurückgezogen.
Für Tupac-Fans ist der Fall untrennbar mit dem eigenen verbunden. Während der Mord an Tupac 2026 mit dem Schuldspruch gegen Duane „Keffe D“ Davis vor Gericht kam (nicht rechtskräftig, Stand Oktober 2026), bleibt der an seinem früheren Freund und späteren Rivalen offen.