1995542 Wörter · 2 Min.
Sister 2 Sister: Jamie Foster Brown besucht Tupac in Haft (1995)
1995 spricht Tupac im Gefängnis mit Sister-2-Sister-Verlegerin Jamie Foster Brown über Fanpost, Haftalltag, Ärger mit Wärtern und einen alten Streit.
Original: Gefängnisinterview mit Tupac · Sister 2 Sister · Jamie Foster Brown · 1995 (Nachdruck 2001 als „The 1995 Tupac Interview from Jail“)
Wann und wo
Sister 2 Sister war ein Promi- und Unterhaltungsmagazin für ein schwarzes Publikum. Jamie Foster Brown gründete es 1988 und gab es bis 2014 heraus. Newsweek nannte es einmal die afroamerikanische Version von People. Brown führte das Gespräch selbst, im Archivtext ist sie nur als „Sister 2 Sister“ ausgewiesen.
Ein Datum ist im Archivtext nicht genannt. Das Heft hat das Interview 2001 erneut abgedruckt, unter dem Titel „The 1995 Tupac Interview from Jail, A Jamie Foster Brown Interview“. Damit ist das Jahr 1995 belegt, das Heft der Erstveröffentlichung ließ sich nicht ermitteln. Tupac saß 1995 bis März auf Rikers Island und danach in der Clinton Correctional Facility in Dannemora im Norden des Bundesstaats New York. Im Gespräch erwähnt er seine Isolation von der übrigen Gefangenenschaft und eine Klage, mit der er eine Verlegung erreichen wollte. Das deutet auf Dannemora, ausdrücklich genannt wird der Ort im Auszug aber nicht.
Die Lage 1995
Tupac verbüßte eine Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs. Me Against the World stand im Frühjahr 1995 auf Platz 1, während er in der Zelle saß. Im Oktober 1995 kam er gegen eine Kaution frei, die Death Row hinterlegt hatte.
Worüber gesprochen wurde
Der Auszug im Archiv ist kurz und beginnt mitten im Gespräch. Auf die Frage nach seinem Haus in Atlanta sagt Tupac, er habe es der Familie eines ermordeten Freundes namens Kato überlassen. Seine eigene Familie habe das Haus nicht zu schätzen gewusst, und er habe viele Angehörige zu versorgen.
Ob er nach der Haft größer als das Leben sein wolle? Im Gegenteil:
„I wanna be smaller than life when I’m out.“ Tupac Shakur, Sister 2 Sister, 1995
Er erzählt von Fans, die aus Chicago angereist seien, und von einem Sack voll Post pro Woche. Er lese vor allem Briefe von Kindern oder mit Foto. Den Haftalltag beschreibt er nüchtern: Duschen dreimal pro Woche, unzuverlässiges Wasser, Gewalt unter den Gefangenen. Er selbst sei nicht im allgemeinen Vollzug. Vor einer Entlassung auf Bewährung verlange man Programme von ihm, die er wegen seiner Einstufung gar nicht besuchen dürfe. Anträge gingen angeblich verloren.
Ärger mit Wärtern und ein alter Streit
Ausführlich schildert Tupac einen Konflikt um seine Post. Man habe ihm täglich Dutzende Briefe gebracht und ihn dann dafür gemeldet, zu viel Post zu haben. Bei einer Aussprache habe ihm ein Sergeant die Hände an den Hals gelegt. Das ist seine Darstellung, eine Stellungnahme der Haftanstalt enthält der Auszug nicht.
Am Ende spricht Brown ihn auf eine frühere Begegnung an, bei der er sie bedroht habe. Er erinnert sich laut Text erst nicht, dann wirft er ihr vor, nie nach seiner Seite gefragt zu haben. Er erzählt von einem Limousinenfahrer, der eine Waffe auf ihn und seine Leute gerichtet habe und ihn nun auf Schadensersatz verklage. Die Einzelheiten dieses Vorfalls lassen sich aus dem Auszug nicht sicher rekonstruieren.
Bedeutung
Das Gespräch ist kein großes Grundsatzinterview wie Ready to Live in Vibe. Es zeigt Tupacs Haftalltag aus der Nähe, mit Fanpost, Duschplan und Streit um Formulare. Der Nachdruck von 2001 enthält laut Google-Books-Auszügen weitere Fragen, etwa zu Biggie und den Black Panthers, die im vorliegenden Archivtext fehlen.