1996494 Wörter · 2 Min.
Hot 97: „Ich bin ein Soldat“ (1996)
Ein Radiogespräch mit New Yorks Hip-Hop-Sender Hot 97 aus dem Jahr 1996: Tupac verteidigt seinen Kurs gegen Bad Boy, mit Worten, nicht mit Waffen.
Original: Radiointerview · Hot 97 (WQHT), New York · Moderation nicht überliefert · laut Archivangabe 1996, genaues Datum unbekannt
Was über dieses Interview bekannt ist
Von diesem Gespräch ist nur ein kurzer Ausschnitt erhalten, der ohne Datum und ohne Namen der Moderatoren abgeschrieben wurde. Sicher ist der Sender: Hot 97, die New Yorker Station WQHT, war Mitte der Neunziger zur wichtigsten Hip-Hop-Adresse der Ostküste geworden, also genau des Lagers, mit dem Tupac damals im Streit lag. Die Themen ordnen den Ausschnitt eindeutig ins Jahr 1996 ein, in die Monate nach seiner Entlassung aus der Haft im Oktober 1995, als der Konflikt zwischen Death Row und Bad Boy offen ausgetragen wurde. Wer das Interview führte und ob es im Studio oder am Telefon stattfand, ließ sich nicht belegen.
Ein ganz anderes, belegtes Hot-97-Gespräch aus demselben Jahr gab es mit der Moderatorin Angie Martinez: rund zwei Stunden, von denen nur etwa zwölf Minuten gesendet wurden (The FADER, 15.03.2016). Ob der hier erhaltene Ausschnitt daraus stammt, lässt sich nicht belegen; Moderator und Datum bleiben deshalb offen.
Die Lage 1996
Tupac war bei Death Row unter Vertrag, All Eyez on Me war im Februar 1996 auf Platz 1 der Billboard-Charts eingestiegen. Seit den Schüssen im Quad-Studio im November 1994 warf er dem Umfeld von The Notorious B.I.G. und Sean „Puffy“ Combs vor, mehr gewusst zu haben, als sie zugaben, beide bestritten das. Spätestens mit „Hit ‘Em Up“ (Juni 1996) wurde daraus ein offener Krieg der Worte.
Worüber gesprochen wurde
Tupac beschrieb seine Rolle mit einem Bild, das auch in anderen Interviews jener Monate auftaucht:
„I’m playing a soldier, that’s all.“ Tupac Shakur bei Hot 97, 1996
Er verglich sich mit KRS-One, der sich einst „Gott“ genannt habe; er selbst mache nur seinen Teil dafür, wohin sich Hip-Hop entwickeln solle. Und das hieß für ihn: mehr Geld, neue Klänge, andere Beats, weil man nur mit Geld Gemeindezentren und Gebäude in den Vierteln finanzieren könne, aus denen die Künstler kommen.
Als die Moderation einwandt, Angriff und Gegenangriff würden kein gutes Ende nehmen, wurde Tupac deutlich. Er greife niemanden körperlich an:
„Do you see me running into Bad Boy with a gun?“ Tupac Shakur bei Hot 97, 1996
Auf den Hinweis, der Streit treffe auch Unbeteiligte, reagierte er hart. Das Leben sei eben ungerecht; wer im Rap-Geschäft Millionen verdienen wolle, müsse dafür kämpfen wie er. Er zählte auf, was ihn die Musik gekostet habe: Schüsse, Gefängnis, Prozesse und Zivilklagen, die ihn Millionen gekostet hätten.
Einordnung
Der Ausschnitt ist kurz, zeigt aber Tupacs Haltung im letzten Lebensjahr sehr genau: Er sah sich als Krieger in einem Wettstreit, der mit Platten, Verkaufszahlen und Worten geführt wird, und wies jede Verantwortung für mögliche Gewalt von sich. Dass er diese Position ausgerechnet in einem New Yorker Sender vertrat, macht das Gespräch zu einem Dokument der Zuspitzung. Wenige Monate später waren beide Hauptfiguren des Konflikts tot, Tupac im September 1996, Biggie im März 1997.
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